Wie wahr hätten Sie es denn gerne, Frau Helena?

Die Welt ist leider bunt. Was sehr traurig ist. Denn in schwarz-weiß schaut sie sehr viel schöner aus. Vor allem wenn man sie mit harten Kontrasten belichtet, die Welt. Dann verschwimmen die Graustufen und es bleibt nur noch ein schwarz und ein weiß übrig. Das sieht auf Bildern furchtbar schick aus. Und tiefgründig zugleich. Aber so ist sie nicht, die Welt.

Und so schwarz und weiß, gut und böse ist auch das Leben nicht. Zwischendrin  -in den Graustufen- liegt sie, die Wahrheit. Sie ist ein „sowohl als auch“, ein wenig dies und das. Flüchtig ist sie, verändert sich je nach Brille, die man aufsetzt und manchmal scheint sie einem durch die Finger zu rinnen, bevor man sie recht greifen kann. So klar die Einteilung zwischen wahr und unwahr in meiner Jugend war, so verschwommen wurde sie, je mehr ich lernte und wusste und erlebte.

Nun hat die Bloggerin Tina eine Wahrheitskugel in das Internet geworfen. Ausgerechnet dort. In einen Raum, in dem man 20kg Bauchfett in drei Wochen verlieren können soll. Wo man sich im Wald der subjektiven Wahrheiten verlieren kann, in Diskussionen und Deutungen darum, was wahr ist oder was richtig ist. Richtig ist dabei quasi der siamesische Zwilling von Wahr.

Wo würde ich gerne die Wahrheit wissen? Die reine Wahrheit? Nichts als die Wahrheit! Tagelang grübelte ich darüber nach. Während meiner Pendelfahrten zwischen Kita, Schule und Arbeit hing ich meinen Gedanken nach. Fragte mich wo ich überall Unwahrheiten von mir gebe, wo mir vermutlich Unwahrheiten begegnen, wo sie mich stören, wo sie mich verfolgen und kam dort an, wo mir klar war, dass ich mit den Unwahrheiten in dieser Welt im Reinen bin. Sie sind mir lieb geworden, so wie mir mein „sehr gerne“ auf ein „Danke“ lieb geworden ist. Ich bin gerne nett, wenn es für mich geht. Nett sein kollidiert jedoch mit der Wahrheit an jeder Ecke.

Bevor ich die Kugel aber ungenutzt weiterziehen lasse möchte ich einen Blick hineinwerfen. Ich will sie fragen wie das wirklich war in dem Krieg in Jugoslawien. Will die wahren Gründe wissen, weshalb Menschen von Freunden zu Feinden werden können. Wie aus Nachbarn Mörder und Ermordete werden konnten. Wieso Menschen sich Massaker antun? Was geschehen muss, damit aus einem kleinen Kind eines Tages ein Despot werden kann. Doch ich befürchte, dass mir die Kugel dabei zwischen den Händen zerplatzen wird. Denn manchmal, manchmal ist die Wahrheit viel schlimmer als die größten Lügen…

Verloren in diesen Wahrheitsfindungen fragte ich heute meine Tochter was sie denn wissen wollen würde, wenn sie über etwas die Wahrheit erfahren könnte. Es herrschte kurz Stille, bevor sie sagte „Ob es den Nikolaus wirklich gibt“.

Vielleicht bin ich ja dann doch dank dieser Blogparade bald um eine Lüge ärmer…

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Wenn Männer zuhören

Bald werden Herr und Frau Helena etwas ganz verrücktes tun. Etwas, dass sie zurückkatapultiert in die wilde Sturm und Drang Phase ihres Lebens. Etwas, dass sich wieder nach ein wenig Abenteuer anfühlt. An einem Dienstagabend! In einer Arbeitswoche! Gehen wir auf ein Konzert!!!

Das ist so viel Aufregung, dass mein Mann bereits abends uns immer einstimmt und die Platte -Schallplatte!- hier schon neue Rillen vom Abspielen bekommen hat. Dieser Geräuschteppich hat natürlich auch einen Bildungsaspekt, nämlich dass Herr Helena die Texte besser mitsingen kann. Auf unserem letzten Konzert in Manchester waren wir so beeindruckt von den mitsingenden Besuchern, dass wir also zu zweit versuchen werden diese Atmosphäre auch in München enstehen zu lassen. Man soll sich ja nicht einreden lassen, dass die eigenen Träume zu groß seien. Und ich kann inzwischen echt voll laut sein. Kinder sind da ein dankbarer Trainingspartner.

Diese Vorbereitung läuft jetzt schon seit ein paar Tagen. Mit dem Effekt, dass wir noch fast genau so textsicher sind wie vorher. Ich für meinen Teil war krank. Das entschuldigt alles, finde ich. Mein Mann jedoch erklärte mir, dass er bei Liedern eher nicht auf den Text höre. Ja, wie er denn nicht auf den Text hören könne? Da sage doch jemand was!?! Ich war dezent irritiert. Und da offenbarte er mir, dass die Bassläufe zum Beispiel doch ebenso die Botschaft transportieren. Nicht nur der Text. Er höre zum Beispiel auf die Bassläufe.

Warum hat mir das bloß keiner vor 20 Jahren gesagt????

All die Jahre, die ich auf Parties, bei Verabredungen, in der Arbeit, im Supermarkt und an der Tankstelle mit Männern gesprochen habe, all die vielen Male, die ich versucht habe ihnen eine Botschaft zu vermitteln, die ich mich unverstanden fühlte, alles nur, weil ich auf meinen Basslauf nicht achtgab. Mein Sohn, der so wenig auf mich hören mag, weil ich viel zu wenig Bass in der Stimme habe. Die Männer in der KFZ Werkstatt, die mich nicht ernst nehmen, weil ich gänzlich bassfrei mit ihnen fachsimpeln will. All die Kommunikationstrainings!!!

Und dann diese Erkenntnis! Ich muss einfach nur meine Stimme mit mehr Bass unterlegen!

Das Leben kann manchmal so einfach sein!

Geschäftsessen

Es war einer dieser Tage, an denen meine Tochter einen Zahnarzttermin hatte. So einen wo gebohrt wird, was aber unsere Kinderzahnärztin nicht sagt. Sie sagt, dass der Zahn nur gebürstet wird. Überhaupt hat sich das mit den Zahnärzten ganz schön verändert seit meiner Kindheit. Da gibt es auch keine Spritzen mehr, sondern „Schlafkissen“, die ein bisschen pieksen können. Meine innere, hochgezogene Augenbraue -aufgrund dieses Lügenvokabulars- musste ich beeindruckt wieder sinken lassen. Denn mein Kind hat all das geglaubt.

Weil nun aber Zahnarztbesuche trotz bürsten nicht zu den Höhepunkten im Leben meiner Tochter zählen, hatte ich mir etwas einfallen lassen aus der Erziehungstrilogie „Bestechen, Bedrohen, Belügen“.

Meine Tochter findet es nämlich sehr interessant, bei mir im Büro zu sein und meine Kollegen zu sehen. Und so haben wir uns an dem Zahnarzttag mittags mit meinen Kollegen zum Essen verabredet. Wir waren sechs Kollegen, darunter mein aktueller und mein künftiger Chef und sind allesamt in ein nahegelegenes bayrisches Lokal zum Essen gegangen. Meine Kollegen sind sehr nett, haben sich angeregt mit meiner Tochter unterhalten und es gab Schnitzel mit Pommes. Alles wunderbar.

Wunderbar bis zu dem Moment, wo die Gesprächsthemen abglitten in eine Richtung, die mir Sorge bereitete. Denn über „Fleisch essen“ zu „vegetarischem Essen“ und dann zu „veganem Essen“, kamen wir thematisch dann bei „absurdem Essen“ an und seltsamen Gepflogenheiten anderer Kulturen. Das war dann ein Thema, bei dem mein Kind hervorragend mitreden konnte. „Mein Papa hat schonmal Pipi getrunken“ sagte sie voller Stolz in die kurze Stille der Runde. Und ich muss zugeben, dass sie damit so ziemlich die absurdeste Nahrungsaufnahme für sich verbuchen konnte.

Ich weiß nicht mehr genau wie wir aus dem Lokal raus gekommen sind. Bruchstückhaft erinnere ich mich noch, dass ich erklärte, dass mein Mann ja einen naturwissenschaftlichen Hintergrund hat und wissen wollte wie Eigenurintherapie denn schmecke. Und sowohl warmer Mittelstrahl, als auch gekühlt aus dem Kühlschrank waren kein Geschmackserlebnis. Bei uns daheim trinkt wirklich niemand Urin. Wirklich! Niemand!

Aber ich war immerhin auch erleichtert, dass sie mit sechs Jahren keine genitalen Themen mehr zum Besten gab. Denn vier Jahre zuvor hatte sie noch einer Freundin von mir beim gemeinsamen Frühstück stolz mit ausgebreiteten Armen gezeigt, dass ihr Vater wirklich sehr gut bestückt sei.

Zu Kundenterminen sollte ich das Kind auf jeden Fall die nächsten 20 Jahre nicht mitnehmen. Wer weiß was in der Pubertät dann für Themen von ihr aufgetischt werden…

Herbstprojekte

Im Kindergarten haben sie passend zur Jahreszeit Themen, die sie mit den Kindern behandeln. Das ist pädagogisch und auch vom Bildungsaspekt her eine feine Sache. So wie die Tage und Wochen durchgetaktet sind, so ist es auch das Jahr. Und nun im Herbst scheinen sie sich wieder auf jahreszeitliche Experimente zu konzentrieren, um die richtige Stimmung einzuläuten.

In den ersten Jahren war ich noch ganz arglos. Da dachte ich noch, dass Kinder in den kälteren Jahreszeiten nunmal krank werden, weil das eben so zu sein hat. Und Eltern werden mit krank, weil ihnen einfach nichts anderes übrig bleibt. Mit den Projekten in der Kita brachte ich das alles nicht in Zusammenhang.

Inzwischen bin ich jedoch voller Misstrauen…

Erst kürzlich las ich nämlich etwas von Virenstämmen, die man schneller mutieren lassen kann, wenn man sie den Wirtstieren gleich in die Nasenschleimhaut einsetzt. Mutierte Viren sind dabei eine ganz aufregende Sache. Denn man kann nicht sagen, inwiefern die mutierte Version durch das Sicherheitsnetz der bereits vorhandenen Antikörper schlüpfen kann. In diesem Zusammenhang ist mir auch aufgefallen, wie oft meine Kinder sich in der Nase rumpopeln. Ich meine mich auch zu erinnern, dass nicht nur mein großes Kind diese ab und an verspeist. Und das tat es schon lange bevor wir „Iiieh! Wie eklig Bertie“ gelesen haben.

Sie haben auch oft so seltsame Kittel im Kindergarten an. Mir wurde erzählt, dass die zum Malen benötigt werden. Aber jetzt, wo mich wieder Fieberschübe durchschütteln und ich, mich sehnend nach meiner Mutter, die Tage mit schwitzen und schlafen und dem Produzieren von gemüsebrüheartigen Gerüchen verbringe, wird mir alles klar wie eben diese Gemüsebrühe! Das ist eine große Verschwörung!!! Und der Kitaausbau hat mit der sicheren Rente mehr zu tun, als man zuerst denken mag.

Denn was mein Sohn da tut, und da bin ich mir gerade ganz sicher, ist mit seinen kleinen Freunden neue Virenstämme für die nächste Grippesaison zu züchten in seinem Herbstprojekt. Die werden dann vorzugsweise an die Familie als Multiplikatoren weitergegeben und von da aus in den Firmen der Eltern verteilt, um am Ende der Verbreitungskette im Altersheim für sinkende staatliche Rentenzahlungen zu sorgen. Wie gut das funktioniert, konnten wir letztes Jahr erleben. Als ein Norovirus innerhalb eines gefühlten Augenblicks erst die halbe Kita und danach meine halbe Abteilung in der Firma ausser Gefecht setzte. Der ein oder andere Kollege berichtet heute noch voller Angst und Bewunderung von der Durchschlagkraft dieses Noroerregers, der alle körperlichen Hürden nehmend sich seinen Weg bahnte. Wie ich hörte ist dieser Virenstamm heute noch in der Wallachei aktiv.

Dieses Jahr haben sie anscheinend erst eine Testreihe zur Reife gebracht. Es ist ein mittlerer Erkältungsvirus, der nur leicht halluzinogen wirkt, wenn man denn lang genug fiebert. Mein Arzt zuckte diese Woche nach der Untersuchung nur mit den Schultern und behauptete, dass er rein gar nichts für mich tun könnte. Vermutlich ist der Anreiz zu helfen für ihn auch einfach sehr gering, da er weiß, dass er sich und seinen Kollegen sonst die kommenden Patientenströme versiegen lässt…

Ich habe mir jedoch sicherheitshalber weder vor den Kindern, noch vor meinem Arzt anmerken lassen, dass ich das Spiel durchschaut habe. Vielmehr werde ich demnächst an die Bild Zeitung schreiben. Die mögen hier investigativ mal rumjournalieren. Und das nächste mal, wenn mein Sohn mir seinen Finger in die Nase stecken will, bin ich vorbereitet! Neben einem Arsenal an Globuli, mit denen ich ihn dann bewerfen kann, habe ich mir einen geheimen Bunker mit Tamifluvorräten im Keller bereitgestellt. Das Versteck ist todsicher. Denn in den Kellerraum mit der Wäsche geht sonst keiner! Die nicht eingeräumten Anziehsachen der letzten drei Waschladungen sind mein Zeuge.

Warum ist das eigentlich kein Herbstprojekt? Wäsche? Wie bitte? Ich rieche komisch? Oh… das Fieber kommt zurück… ich muss schnell mal in den Keller…

Helena

Die Deutschen

Früher, als man noch Gastarbeiter und Ausländer sagte, fühlte ich mich immer etwas exotisch unter deutschen Kindern. In der Straße, in der ich aufwuchs, stellten die deutschen Familien knapp mehr als die Hälfte der Kinder. Der Rest waren Inder, Griechen, Italiener und ich, damals noch Jugoslawin.

Da wir aus jeder Nationalität nur wenige „Exemplare“ hatten, stellten sich bei mir schnell Vorurteile ein. So war ich zum Beispiel entsetzt darüber, dass das Christkind bei deutschen Kindern den Tannenbaum schmückte und auch noch klingelte um die Geschenke anzukündigen, wohingegen bei uns das Schmücken zumindest meine Mutter übernehmen musste. Das war für mich schon eine himmelschreiende (!) Ungerechtigkeit. Aber der liebe Gott, an den ich so fest glaubte, schien da eine Form der ausgleichenden Gerechtigkeit für gefunden zu haben. Denn anscheinend hatten ja alle deutschen Kinder Heuschnupfen, Allergien und waren oft krank. Deswegen mussten sie dann auch immer so einen Saft nehmen, damit sie Vitamine bekamen. Meiner Mutter habe ich dann so lange in den Ohren gelegen, bis ich so eine Paste aus einer blauen Tube von der Apotheke bekam, auf der eine Orange abgebildet war. Wer konnte schon sagen ob das Deutschsein nicht ansteckend war?

Eine weitere sehr deutsche Sache waren für mich Eltern, die mit ihren Kindern sonntags Spaziergänge machten. Das kannte ich von ausländischen Eltern nicht. Deutsche Kinder durften sich dann sonntags nicht mit anderen Kindern verabreden, weil das der Familientag war. Sie fuhren auch hauptsächlich im eigenen Land in Urlaub und Campen schien etwas ganz grandioses zu sein.

Ich war mit meiner Schublade aber noch bei weitem nicht fertig. Deutsche Mütter konnten nicht selber kochen. Die mussten Miracoli nehmen, oder fertigen Kartoffelbrei. Auch der Sinn von geschälten Kartoffeln im Glas war mir völlig unklar (und ist es bis heute). Dafür wurde dort kein Knoblauch zum Kochen verwendet. Es schmeckte immer ein wenig seltsam, fand ich.

Und was mir immer auffiel: es gab anscheinend keine deutsche Familie, wo es so laut war wie bei uns, wo so viele Verwandte zu Besuch kamen und diese so viel gedrückt und geknutscht haben, vorzugsweise uns Kinder.

Leider kann ich nicht mehr genau sagen wann das aufhörte mit den Vorurteilen. Als mir, zu Unizeiten, eine Kommilitonin versicherte, dass ich die Deutscheste von uns allen sei, dämmerte es mir. Diese Frage nach typischem Verhalten einer Nationalität lässt sich einfach sehr schwer greifen. Es ist das, was fremd scheint, was einen abstoßen kann oder eben im wahrsten Sinne des Wortes befremden. Und es scheint nur allzu menschlich zu sein, wenn man Verhalten einer kleinen Stichprobe gleich auf die gesamte Bevölkerung überträgt. Eine meiner besten Freundinnen sagte in Kindertagen zu mir mal, dass sie ja keine Ausländer möge. Aber mich schon, denn ich sei eine Ausnahme. Immerhin. Dachte ich. Und war tödlich beleidigt, obwohl ich in ebensolchen Stereotypen dachte.

Inzwischen sind meine Schubladen andere geworden. Ich hoffe sie sind ein wenig differenzierter. Und sonntags müssen meine Kinder natürlich auch mit uns einen Spaziergang machen. Zumindest manchmal.

Das schulde ich einfach meiner deutschen Sozialisation…

Von Pfeifen und Hupen

Man kann sich alles schön reden. Ich bin da ganz vorne mit dabei. Meine Pendelzeiten zur Arbeit täglich sind meine zwei Stunden Ruhe am Tag nur für mich. Wobei Ruhe ein klarer Euphemismus ist, denn ich pendel nach München rein und kenne keine deutsche Stadt in der so schnell und so ausgiebig gehupt wird. Gut, das klingt jetzt bereister als ich es bin. Von den 10 Städten und Städtchen, die ich kenne, ist München bei der Huperei ganz vorne. Aber, verkappter Optimist der ich bin, rede ich mir auch das schön. Hupende Mitfahrende auf den Straßen geben mir täglich eine Gratisschulung in Stressresistenz und Frustrationstoleranz.

Besonders dankbar bin ich hier der Dame fortgeschrittenen Alters, die beim Einfädeln an einer Baustelle (von fünf Spuren auf eine) mich nicht reinlassen wollte. Und das nicht, weil sie schon so viele reingelassen hatte. Sie hatte sich einfach dem Spiel „Einer von rechts und einer von links“ entzogen und klebte an ihrem Vordermann. Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht so ganz in mir ruhend, kurbelte das Fenster runter und rief ihr rüber, dass hier das Reisverschlussverfahren anzuwenden sei und sie mich reinlassen müsse. Ja, manchmal muss ich so schlaue Dinge meinen Mitmenschen mitteilen. Und darauf sagte diese Dame den Satz, den ich fassunglos noch den halben Tag im Büro vor mich hinmurmelte.

„Hinter mir ist auch noch Platz“ sagte sie, kurbelte ihr Fenster hoch und fuhr weiter.

Die nächsten Minuten, die ich dann hinter ihr stand, hatte ich Szenen aus „Falling down“ im Kopf und fing an mir das Drehbuch für eine weibliche Version zu überlegen. In der Hauptrolle: ich. Und gedreht werden sollte gleich vor Ort. Ich war bereit für die erste Probe!

Mir kam dabei auch zugute, dass ich ja bereits über mannigfache Schauspielerfahrungen verfügte. War ich doch schon im Kindergarten der Sterntaler und später im Gymnasium in einer Nebenrolle als (darf man das so sagen?) schwuler Schauspiellehrer erprobt. Die zahlreichen Dramen, die ich privat in der Pubertät mitgespielt habe, mal ganz außen vor gelassen.

Allerdings kam es dann doch zum weiteren Zähfließen des Verkehrs, bevor ich mit meiner Version von „Falling Down“ beginnen konnte und ich bin völlig unspektakulär durchs hupende München weiter ins Büro gefahren. Das Drehbuch liegt jedoch immer noch fest abgespeichert auf meiner geistigen Festplatte. Und sollte sich eines Tages alles wieder so schön zusammenfügen, könnt Ihr vielleicht eine wild gewordene Mitdreißigerin auf  einer Porsche Cayenne Motorhaube rumspringen sehen, während sie Obszönitäten in die Welt schreit.

Das kann ich mir dann auch prima schönreden. Ist bestimmt ein gutes Training. Für was weiß ich nur noch nicht…

Blind Date mit keiner Unbekannten

Sie hatte mich einfach so angeschrieben. Vielleicht sogar einfach eine Freundschaftsanfrage geschickt. Weil sie das, was ich Sophie von http://www.networkingmom.de/ geschrieben -und diese auf Facebook gepostet- hatte, wohl getriggert hat. Und ich hatte einfach so angenommen. Obwohl ich keinen Schimmer davon hatte wer sie sei.

Wir kamen sofort ins Plaudern über das Leben auf dem Land in Bayern, über Kinder und über das Arbeiten mit Kindern und überhaupt. Und sie sprach so voller Begeisterung, wie elektrisiert, von diesen Frauen, dieser Gruppe an Frauen, die sie gefunden habe. Wie bereichernd es sei. Und das sie was großes planen. Vermutlich haben wir uns gegenseitig bestätigt wie nett wir das alles fanden und ich folgte ihr in diese Gruppe.

Mir kommt es vor, als ob das schon alles länger her ist. Aber es war wohl doch erst Beginn dieses Jahres, dass sie in mein Leben trat und sich mir unter die Haut zog. Wir haben so oft geschrieben. Wir haben telefoniert. Durch sie bin ich auf Familie 2.0 aufmerksam geworden, habe viele Menschen durch sie online kennengelernt. Habe zusammen mit ihr gelacht und auch schon ganz furchtbar geweint.

Und diesen Samstag werden wir uns endlich sehen. Und ich freu mich. Sehr!

Wenn Ihr sie lesen wollt, dann findet Ihr sie hier: http://vomwerdenzumsein.wordpress.com und natürlich auch mit dabei hier: http://www.familie-zwei-punkt-null.de/

Hab ich schon gesagt, dass ich mich freue?

Helena

20 Facts about me

Nachdem mein Frühaufstehersohn uns heute das Wochenende verlängert und wir somit verschlafen haben, hier nun etwas ganz schnelles. Ein kleiner Einblick in die schlimme Helena. Und eine kleine Auflistung anderer Facts von Blogs, die ich mag. Die Blogroll wird die Tage auch noch folgen…

Meine Facts

1. Ich bin ein Suchtmensch. Vor allem Kaffee und Zigaretten begleiten mich -mit Unterbrechungen- durchs Leben.

2. Meinen Kaffee brühe ich daheim per Hand im Keramikfilter pro Tasse frisch auf, mit etwas Zimt und Salz im Pulver.

3. Meine Schwäche sind gute Bücher. Das „gut“ ist dabei selbstverständlich subjektiv. Ich schätze hier sehr den Geschmack von Dennis Scheck und meinem Mann bei Belletristik. Bei Kinderbüchern bin ich selber noch relativ gut im Bilde.

4. Als ich bei meinem Mann mein Lieblingsbuch in seiner Wohnung sah war ich gleich unsterblich verliebt in ihn. Heute stehen unsere beiden Exemplare nebeneinander in der Bücherwand.

5. Früher dachte ich, dass Männer an den tiefsinnigen Gesprächen mit mir interessiert seien. Heute bin ich da nicht mehr so sicher…

6. Deutsch habe ich erst im Kindergarten gelernt. Meine Muttersprache ist kroatisch. Inzwischen jedoch mit starkem deutschen Akzent und typisch deutschen Grammatikfehlern.

7. Wenn ich leise werde wird es gefährlich

8. Mein erstes Studienfach war Japanologie auf Magister. Ich habe vier Wochen durchgehalten.

9. Ich kann fünf Gebärden der Gebärdensprache

10. Unhöflichkeit macht mich wütend. Meine Tochter kann mit sechs Jahren „sehr gerne“ in drei Sprachen sagen. Sie hat es durchs Nachahmen gelernt.

11. Mein Lieblingslied ist „Luka“ in der Version von den Lemonheads. Und das seit ich 12 Jahre alt bin.

12. Mir sind Mittelaltermärkte suspekt

13. Als Kind wollte ich Nonne werden, bis ich erfuhr, dass die keine Kinder haben können. Später wollte ich keine Kinder mehr. Aber Nonne war dann auch keine Alternative.

14. Obst mag ich hauptsächlich als Eis oder Kuchen.

15. In meiner Jugend (haha!) habe ich die unterschiedlichsten Nebenjobs gehabt: Zeitungen austragen, Nachhilfe geben, Babysitten, Kellnern, Putzen, Aushilfe im Drogeriemarkt, Studentin in der Videotextredaktion eines öffentlichen Senders (mit dem schönen Plakat bei der Chefin „Videotext, das unterschätzte Medium“!!!), Pflegekraft in einem Behindertenheim und eigentlich wollte ich immer auch einmal Leichenwäscher werden, weil ich das schick fand. Allerdings auch eher nur in meiner Vorstellung. Beworben habe ich mich nie dafür. Und ja, ich war jung…

16. Backen ist für mich Meditation.

17. Meinen Kollegen in der Abteilung hab ich Herzchen in den Jahresplaner an der Wand gemalt. Und zwar an dem Tag, an dem ich Geburtstag habe. Nicht, dass sie ihn vergessen.

18. Ich habe eine Schwäche für österreichische Akzente

19. Beim Einparken bin ich super.

20. Je älter ich werde, desto schöner finde ich mich.

Und weitere Facts von geschätzten Damen (und die Liste ist sicherlich noch nicht vollständig, denn Listen kann ich nicht so gut.):

http://vomwerdenzumsein.wordpress.com/2013/10/05/20-facts-about-me/

http://munichs-working-mom.blogspot.de/2013/10/20-facts-about-me.html

http://www.tollabox.de/blog/detailansicht/article/20-facts-about-me/

http://www.berlinfreckles.de/allgemein/20factsaboutme/2013/10/04/

http://ronjasakata.com/2013/10/07/der-20-facts-about-me-blog-virus-geht-um/

http://berlinerluftinhamburg.blogspot.de/2013/10/20-10-facts-about-me.html

http://mamahatjetztkeinezeit.wordpress.com/2013/10/14/20-fakten/

http://hauptstadtmutti.de/news/20-facts-about-me

http://muttis.wordpress.com/2013/10/16/20-facts-about-me/

 

Wer noch erwähnt werden mag: bitte kurz melden.

Einen schönen Wochenstart

wünscht die Helena

PS: Extrafakt Nr. 21: Das mit der Interpunktion kann ich bis heute nicht richtig…

Die Sache mit Lisa

Es war vor drei Jahren im Sommerurlaub, als wir die erste Lisa trafen. Wir waren damals noch eine Einkindfamilie, das Einkind war drei Jahre alt und wir zum zweiten Mal in der Mitte der Pyrenäen im Urlaub; in einem kleinen Dorf mit 30 Einwohnern kurz vor der spanischen Grenze. Im nächstgrößeren Ort feierten sie das „Fête des fleurs“, was eine Parade von Blumengeschmückten Festwagen mit Musikkapellen und verschiedenen Vereinen des Ortes ist.

Auf diesem Fest gab es auch Verkäufer für Gasluftballons und unsere Tochter bekam ein pinkes, fliegendes Einhorn, dass sie -wie damals alles was sie bekam- „Lisa“ nannte. Es war ein schöner, warmer Sommertag. Und unser Kind war lebendig gewordener Stolz, so wie sie mit ihrer Lisa durch die Gassen ging und das Einhorn dem ein oder anderen Erwachsenen dabei durchs Gesicht zog. Wir aßen nach der Parade noch eine mäßige Pizza, bestaunten die Blumen, die unser Kind gefangen hatte und fuhren in das Dorf zurück zu unserem Ferienhaus. Es muss noch im Auto ein Satz wie „Und pass gut auf Deine Lisa auf“ gefallen sein. Kurz danach hätten wir ein „Wir haben Dir ja gesagt…“ hinterherschieben können. Denn an der Eingangstür zum Haus flog Lisa dann davon. Die zuvor stolze Besitzerin war schockgelähmt, ich sprintete noch in den ersten Stock und versuchte Lisa an der Schnur zu erwischen, aber es war alles zu spät. Ganz langsam glitt ein immer kleiner werdender rosaner Punkt über die nächsten Gipfel hoch hinweg Richtung Spanien. Und zwischen uns dreien herrschte betretendes Schweigen.

Das Gute an der Globalisierung ist, dass wir zwei Jahre darauf im Rheinland eine zweite Lisa kaufen konnten. Das identische pinkfarbene, beflügelte Einhorn. Ich war mit meinen beiden Kindern zu Besuch bei meinen Eltern. Und zeitgleich fand eine Kirmes statt, die ich meiner Tochter als „kleines Oktoberfest“ beschreiben musste, damit sie verstand was eine Kirmes ist. Mein Sohn war da nicht mal ein Jahr alt und nach zwei Tagen bei den Großeltern fuhr ich mit den beiden Kindern im Auto wieder nach Hause. Da wir im Münchner Umland leben, habe ich den Weg über die schwäbische Alb gewählt. Und vermutlich auch weil meine Physikkenntnisse sozusagen nicht existent sind. Während der Autofahrt schlief das Baby recht friedlich und wir kamen zeitlich prima vorwärts.

Bis wir über die schwäbische Alb fuhren und es plötzlich laut knallte im Auto. Ich krallte mich in das Lenkrad fest, versuchte mich darauf zu konzentrieren nicht das Lenkrad zu verreißen und etwas langsamer zu fahren, damit ich feststellen konnte ob ein Reifen geplatzt sei. Das Auto fuhr sich ganz normal weiter und ich blickte mich beim Fahren vorsichtig im Wagen um. Neben meinem schlafenden Baby lag die zerplatzte Lisa. Je höher wir kamen, desto mehr hatte sich das Gas in ihr ausgedehnt, bis es sie zerriss. Meine Tochter war so schockiert, dass sie nicht mal richtig traurig sein konnte. Und ich war froh, dass ich keinen Unfall gebaut hatte und uns nichts passiert war.

Inzwischen haben wir vom vergangenen Oktoberfest die vierte Lisa bei uns. Sie hängt nur noch recht schlaff über dem Boden, während ich hier tippe. Sie wird hoffentlich genau wie ihre letzte Vorgängerin eines natürlichen Luftballontodes sterben.

Aber wer weiß schon was die fünfte Lisa für ein Ende nimmt?

Lieber Herr Detlef D! Soost,

zuallererst möchte ich mich sehr für Ihr großzügiges Angebot bedanken. Dass Sie mich sexy machen wollen, ist wirklich ganz furchtbar lieb von Ihnen. Und ich möchte Ihnen auch versichern, dass ich Ihre Einladung auf Facebook auch gesehen habe. Wenngleich ich zu vorsichtig war sie anzunehmen.

Denn, wissen Sie Herr D! Soost, mit dem sexy sein ist es ja nicht getan. Das ist ja nicht die Lösung aller Probleme. Ganz unter uns: die fangen mit dem sexy sein doch gerade erst so richtig an. Und da müssen wir jetzt mal drüber reden, Herr D!! Würden wir bei der erreichten totalen Sexyness aufhören, wäre das wie einer dieser schnulzigen Liebesfilme, die ja auch dann enden, wenn sich die Protagonisten endlich beglückt in die Arme fallen. Dabei bleibt man auf dieser 7. Wolke nicht. Zumindest in den meisten Beziehungen, die ich so beobachten durfte. Ich für meinen Teil schwebe selbstredend seit Jahren jenseits von Gut und Böse vor mich hin.

So sehr man also vielleicht in seiner Sturm und Drang Phase darum bemüht ist als besonders begattungswürdig zu erscheinen, manchmal auch als begattungswürdig und interessant oder tiefsinnig oder cool… (aber letztlich, machen wir uns und der Natur da nix vor, geht es ja doch nur um die Begattungswürdigkeit)… Also, so sehr man das sein will, so wenig weiß man doch in dem Alter was das alles so nach sich zieht. Da mag die Schwerkraft noch keinen Einfluß auf das Erscheinungsbild haben vor dem vierten Bier, allerdings haben die Hormonkaskaden auch dafür gesorgt, dass es keinen Einfluß mehr geben kann vom Verstand auf das Handeln. Dieser schaltet sich doch oft erst irgendwann viel später wieder ein. Nämlich dann, wenn man schon dank seiner Sexyness morgens um vier ganz sexy auf dem ehemals weißen Ecksofa sitzt (jaja… man kann Microfaser wirklich super reinigen!) am Wochenende, zusammen mit dem noch nicht sexyhaften, aber dafür lauten Frühaufstehernachwuchs.

Na gut, Sie haben mich durchschaut. Ich bin es, die auf diesem Sofa sitzt. Die dank dem sexy sein jetzt ein vielfaches an Wäsche hat. Die es nie schafft so richtig ordentlich mal aufzuräumen. Die mehr Geld denn je für Kleidung ausgibt und weniger denn je neue Kleidung hat. Die -Achtung sexy!- inzwischen sich besser in der Kinderliteratur als in der Belletristik auskennt (Alice Munro? Wer ist das?) und dafür immer eine Packung Fischstäbdchen daheim hat.

Und ich bin es auch, die mitleidig den jungen, ahnungslosen Dingern hinterherschaut, die ihre ganze Energie in ebendiese Sexyness investieren, statt sich auch ein wenig mit Dingen zu beschäftigen, die einen über die Zeit jenseits des körperlichen Verfalls hinausretten. Denn sexy sein macht nicht satt. Sexy sein besorgt einem keinen Job. Zumindest in den meisten Branchen nicht. Und auch sexy wird mal alt.

Aber ich schweife ab. Was ich nur sagen wollte war:

Herr Detlef D! Soost, ich will nicht sexy gemacht werden! Ich habe schon zwei Kinder. Das reicht.

Danke,

Ihre Helena

PS: Ich wollte Ihnen ja noch wirklich gerne ausführlicher schreiben. Vielleicht melde ich mich ja nochmal, wenn ich ausgeschlafen habe. So in 10 Jahren. Und vielleicht, vielleicht komme ich dann ja doch noch auf Ihr Angebot zurück…

Unter dem Meer…

Es gibt so Momente, da verliert man seine Unschuld. Und man wird nie, nie, nie, vermutlich nie wieder etwas so unbedarft tun können wie zuvor. Man ist quasi von grundauf für etwas verdorben worden.

Ich wurde so verdorben.

Für Arielle die Meerjungfrau!

Eigentlich sind Meerjungfrauen doch etwas sehr Unschuldiges, würde man meinen. Sie können ja nicht mal auf Toilette gehen, sehen anatomisch wie Barbies aus und im Märchen von Andersen musste die schöne kleine Meerjungfrau ja auch erst ein Mensch werden um mit dem Prinzen zusammensein zu können. Nun. In der wahren Geschichte der Meerjungfrauen, oder Sirenen, war dem nicht so.

Es war an so einem Tag, der im Büro vor sich hintropfte. Die Arbeitslast war niedrig und wir hatten im Team unser Tempo der Auslastung angepasst. Ich glaube sogar, dass wir das Tempo stärker zurückgefahren haben, als es zwingend notwendig war. An solchen Tagen haben wir dann gerne uns gegenseitig Schabernack aus den wirren des Internet zugesendet. Was so ein bisschen wie heimliches rauchen auf dem Schulhof ist, weil man ja über den Firmenrechner auf Seiten privat rumsurft.

An einem solchen Tag bin ich darauf gestossen, dass die Gestalt der Meerjungfrauen einen wahren Kern hat. Denn Matrosen haben früher -und ich meine nicht das damals-gab-es-noch-Drehscheiben-am-Telefon-früher, sondern viel früher- auf ihren langen Reisen Seekühe für Sirenen gehalten. Da diese wohl neben den Schiffen neugierig mit dem Oberkörper aus dem Wasser auftauchten um sich diese Gebilde aus Holz anzuschauen. Und da die Matrosen vermutlich schon lange, lange keine Frauen mehr gesehen hatten (und an ziemlich bösen Mangelerscheinungen evtl. zusätzlich litten, würde ich jetzt meinen), kamen ihnen diese Tiere, mit ihren den Frauen angeblich ähnlichen Brüsten, wie wundervolle, begehrenswerte Meerjungfrauen vor. Daraus enstandt dann mit jeder Menge Seemansgarn wohl der Mythos der Meerjungfrau. Was jetzt nicht weiter dramatisch ist. Wenngleich ich mich frage wieso ich mir den Damenbart zupfe, wenn so eine Seekuh als begehrenswertes Zwitterwesen durchgeht….

Als ich dann aber nach weiteren Quellen dazu suchte im Netz, stieß ich auf eine Seite, die sich vor allen Dingen mit dem begehrenswerten Teil dieser Seekühe beschäftigte. Denn offensichtlich, wenn man dieser Seite glauben mochte, gab es da auch körperliche Kontakte zwischen Seekühen und Matrosen, die von den Matrosen ausgingen. Und ich möchte hier jetzt auch gar nicht weiter ins Detail gehen… Mein Neffe liest hier mit.

Nur seit diesem Tag, kann ich mir nicht mehr unser Ariellehörspiel anhören mit meinem Kind, ohne mich in der Frage zu verlieren wie lange man als Mann eigentlich einsam auf See sein muss bevor man es schafft aus einem walroßartigem Tier eine Nixe zu machen. Kann man sich Seekühe schöntrinken? Sind alle Männer zu so was in der Lage? Und was haben sich bloß die Seekühe dabei gedacht? Wovon erzählen die sich?

In meinem Büro ist es übrigens so, dass nur einer das Wort „Seekuh“ fallen lassen muss, damit wir in infantiles Gekicher ausbrechen. Und ich werde meine Tochter vor ersten Dates im Aquarium später warnen. Man kann ja nie wissen wie lange der Junge vorher so auf See war…

Sie sind eine schlimme Mutter, Frau Helena!

„Eltern sind Schicksal“ ist mein allerliebstes Zitat. Es stammt von unserem Kinderarzt und wurde mir bei einer Untersuchung als gratis Lebensweisheit zum üblichen Plaudern zwischen ihm und mir mitgegeben. Meine Tochter war fast fünf und befand sich noch in der Blase der heilen Kindergartenzeit, wo alles ein wenig netter und kuscheliger ist. Wo Erzieherinnen noch nach pädagogischen Konzepten arbeiten und meine schlimmste Sorge war, dass mein Kind einen Löffel mehr essen musste als es wollte mittags.

Eltern sind Schicksal hatte ich auch an der Universität gelernt, als es um Bildungsökonomie geht. Denn so sehr man sich um Chancengleichheit bemüht, den Einfluss der Eltern kann man auch im fairsten Bildungssystem nicht vollständig nivellieren.

Wie sehr und wie ich das Schicksal meiner Tochter bin habe ich dabei nicht bedacht. Vielmehr war ich voller mütterlicher Überzeugung, dass unser Schicksal doch ein gutes sei. Eines, dass mein Kind auf das Leben vorbereitet.  Durch die Wahl an wirklich inspirierender Lektüre von Anfang an. Durch selbst gestaltete Experimente in der Küche, die erste chemische Reaktionen bestaunen ließen. Durch Besuche in Museen, in anderen Ländern, durch das Singen aller klassischen Kinderlieder und zu Beginn natürlich auch durch gutes Spielzeug und schöne Kleidung. Das mit dem guten Spielzeug musste ich als erstes aufgeben. Die hochwertigen Holzbausteine haben meine Tochter nicht halb so begeistert, wie das elektrische Telefon ihrer Krippenfreundin. Die schöne Kleidung war ohne Hello Kitty, die sich klammheilich in unser Leben schlich wie eine Kakerlake, und Prinzessin Lillifee nicht tragenswert und am schwersten war das Jahr in dem meine Tochter sich mit Händen und Füßen dagegen wehrte eine Hose zu tragen.

Und wie das mit den Kakerlaken so ist, wenn man eine sieht, sind da bereits hunderte!!!

Aber ich ließ mich nicht von kleinen Rückschlägen beirren. Mein Kind wurde größer und teilte die elterliche Liebe zum Buch ebenso, wie das Argumentieren, Fantasieren und Philosophieren. Sie wird es einmal leicht haben, dachte ich. Sie ist jetzt schon so schlau und gebildet, lobte ich mich. Und sie ist sehr höflich, lobten die Erzieher.

Und dann kam die Schule…

Was ich nicht berücksichtigt habe für mein Kind war, dass zwischen es leicht im erwachsenen Leben haben und heute die Kindheit liegt und die Jugend. Und was mir bei den Kitty Kakerlaken hätte dämmern müssen, wäre gewesen, dass Kinder nicht anders sein wollen. Sie wollen vielleicht besonders sein für die Eltern. Aber in der Schule, vor allem in den ersten Jahren, ist besonders sein kein Zustand, der auch nur irgendetwas erleichtern kann. So kann meine Tochter zwar nun brilliant argumentieren, messerscharf analysieren und dies auch wunderbar äußern. Problematisch ist jedoch, wenn das Gegenüber ein anderes Kind ist, dass sich nicht in einen Logikdisput einlassen will. Denn da wo Worte fehlen, da folgen nun oft die Fäuste. Sechsjährige scheinen der Schönheit der Gedanken einfach nicht die gleiche Wertschätzung entgegenzubringen wie liebende Eltern. Und mein Kind hat von mir einfach nicht gelernt, dass man im Zweifel, wenn einem selbst Erwachsene nicht helfen -denn in der Mittagsbetreuung gibt es manches, aber keine Pädagogen- dann doch auch mal zurückpfeffern kann. Sie versteht nicht, weshalb ihre Mitschüler fantastische Geschichten jenseits jeglicher Vorstellungskraft erzählen, nur um gemocht zu werden und ein wenig bewundert. Und das Freundschaften zwischen Mädchen innerhalb genauso kurzer Zeit aufgekündigt und ins Gegenteil verkehrt werden können wie sie entstehen, verletzt sie so sehr, dass wir ganze Abende im Bett darüber sprechen.

Sie wird es einmal leicht haben. Im erwachsenen Leben. Nicht, weil ich eine schlimme Mutter bin, die ihr Kind fern hält von den zwischenmenschlichen Spielchen um Gruppenzugehörigkeit. Sondern, weil sie nun von ihren Mitschülern Nachhilfe bekommt im taktieren um den Platz in einer Gruppe.

Und für ihren kleinen Bruder lerne ich diese Lektion gleich mit.