Unter dem Meer…

Es gibt so Momente, da verliert man seine Unschuld. Und man wird nie, nie, nie, vermutlich nie wieder etwas so unbedarft tun können wie zuvor. Man ist quasi von grundauf für etwas verdorben worden.

Ich wurde so verdorben.

Für Arielle die Meerjungfrau!

Eigentlich sind Meerjungfrauen doch etwas sehr Unschuldiges, würde man meinen. Sie können ja nicht mal auf Toilette gehen, sehen anatomisch wie Barbies aus und im Märchen von Andersen musste die schöne kleine Meerjungfrau ja auch erst ein Mensch werden um mit dem Prinzen zusammensein zu können. Nun. In der wahren Geschichte der Meerjungfrauen, oder Sirenen, war dem nicht so.

Es war an so einem Tag, der im Büro vor sich hintropfte. Die Arbeitslast war niedrig und wir hatten im Team unser Tempo der Auslastung angepasst. Ich glaube sogar, dass wir das Tempo stärker zurückgefahren haben, als es zwingend notwendig war. An solchen Tagen haben wir dann gerne uns gegenseitig Schabernack aus den wirren des Internet zugesendet. Was so ein bisschen wie heimliches rauchen auf dem Schulhof ist, weil man ja über den Firmenrechner auf Seiten privat rumsurft.

An einem solchen Tag bin ich darauf gestossen, dass die Gestalt der Meerjungfrauen einen wahren Kern hat. Denn Matrosen haben früher -und ich meine nicht das damals-gab-es-noch-Drehscheiben-am-Telefon-früher, sondern viel früher- auf ihren langen Reisen Seekühe für Sirenen gehalten. Da diese wohl neben den Schiffen neugierig mit dem Oberkörper aus dem Wasser auftauchten um sich diese Gebilde aus Holz anzuschauen. Und da die Matrosen vermutlich schon lange, lange keine Frauen mehr gesehen hatten (und an ziemlich bösen Mangelerscheinungen evtl. zusätzlich litten, würde ich jetzt meinen), kamen ihnen diese Tiere, mit ihren den Frauen angeblich ähnlichen Brüsten, wie wundervolle, begehrenswerte Meerjungfrauen vor. Daraus enstandt dann mit jeder Menge Seemansgarn wohl der Mythos der Meerjungfrau. Was jetzt nicht weiter dramatisch ist. Wenngleich ich mich frage wieso ich mir den Damenbart zupfe, wenn so eine Seekuh als begehrenswertes Zwitterwesen durchgeht….

Als ich dann aber nach weiteren Quellen dazu suchte im Netz, stieß ich auf eine Seite, die sich vor allen Dingen mit dem begehrenswerten Teil dieser Seekühe beschäftigte. Denn offensichtlich, wenn man dieser Seite glauben mochte, gab es da auch körperliche Kontakte zwischen Seekühen und Matrosen, die von den Matrosen ausgingen. Und ich möchte hier jetzt auch gar nicht weiter ins Detail gehen… Mein Neffe liest hier mit.

Nur seit diesem Tag, kann ich mir nicht mehr unser Ariellehörspiel anhören mit meinem Kind, ohne mich in der Frage zu verlieren wie lange man als Mann eigentlich einsam auf See sein muss bevor man es schafft aus einem walroßartigem Tier eine Nixe zu machen. Kann man sich Seekühe schöntrinken? Sind alle Männer zu so was in der Lage? Und was haben sich bloß die Seekühe dabei gedacht? Wovon erzählen die sich?

In meinem Büro ist es übrigens so, dass nur einer das Wort „Seekuh“ fallen lassen muss, damit wir in infantiles Gekicher ausbrechen. Und ich werde meine Tochter vor ersten Dates im Aquarium später warnen. Man kann ja nie wissen wie lange der Junge vorher so auf See war…

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3 Kommentare zu “Unter dem Meer…

  1. Sie Schlimme! Sie …! Sie …! Hätte ich das nur nicht gelesen! Seit meinem Besuch im Manatihaus des Nürnberger Tiergartens wünsche ich mir nichts mehr zu Weihnachten als auch so ein großes Mini-Meer mit Regenwald außenrum und einer großen Scheibe unten und einer bequemen Bank davor und vor allem Seekühen darin. Diese sanften Bewegungen haben mir mehr Tiefenentspannung gebracht als meine gesamten (drei) Yoga-Stunden zusammen. Bis eben. Ich werde das Seekuh-Becken nun wieder abbestellen. Danke auch, schlimme Helena.

    • Liebe Frau Julia,
      vielleicht können Sie eine Auffangstation für traumatisierte Seekühe eröffnen? Ich würde bloß Matrosen von dem Becken fernhalten. Dann müsste es gehen…

      Viel Erfolg
      wünscht Ihre Helena

      • Liebe Frau Helena, das wäre sicher überlegenswert! Momentan bearbeite ich jedoch vorrangig mein eigenes Seekuh-Trauma 😉

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