Herbstprojekte

Im Kindergarten haben sie passend zur Jahreszeit Themen, die sie mit den Kindern behandeln. Das ist pädagogisch und auch vom Bildungsaspekt her eine feine Sache. So wie die Tage und Wochen durchgetaktet sind, so ist es auch das Jahr. Und nun im Herbst scheinen sie sich wieder auf jahreszeitliche Experimente zu konzentrieren, um die richtige Stimmung einzuläuten.

In den ersten Jahren war ich noch ganz arglos. Da dachte ich noch, dass Kinder in den kälteren Jahreszeiten nunmal krank werden, weil das eben so zu sein hat. Und Eltern werden mit krank, weil ihnen einfach nichts anderes übrig bleibt. Mit den Projekten in der Kita brachte ich das alles nicht in Zusammenhang.

Inzwischen bin ich jedoch voller Misstrauen…

Erst kürzlich las ich nämlich etwas von Virenstämmen, die man schneller mutieren lassen kann, wenn man sie den Wirtstieren gleich in die Nasenschleimhaut einsetzt. Mutierte Viren sind dabei eine ganz aufregende Sache. Denn man kann nicht sagen, inwiefern die mutierte Version durch das Sicherheitsnetz der bereits vorhandenen Antikörper schlüpfen kann. In diesem Zusammenhang ist mir auch aufgefallen, wie oft meine Kinder sich in der Nase rumpopeln. Ich meine mich auch zu erinnern, dass nicht nur mein großes Kind diese ab und an verspeist. Und das tat es schon lange bevor wir „Iiieh! Wie eklig Bertie“ gelesen haben.

Sie haben auch oft so seltsame Kittel im Kindergarten an. Mir wurde erzählt, dass die zum Malen benötigt werden. Aber jetzt, wo mich wieder Fieberschübe durchschütteln und ich, mich sehnend nach meiner Mutter, die Tage mit schwitzen und schlafen und dem Produzieren von gemüsebrüheartigen Gerüchen verbringe, wird mir alles klar wie eben diese Gemüsebrühe! Das ist eine große Verschwörung!!! Und der Kitaausbau hat mit der sicheren Rente mehr zu tun, als man zuerst denken mag.

Denn was mein Sohn da tut, und da bin ich mir gerade ganz sicher, ist mit seinen kleinen Freunden neue Virenstämme für die nächste Grippesaison zu züchten in seinem Herbstprojekt. Die werden dann vorzugsweise an die Familie als Multiplikatoren weitergegeben und von da aus in den Firmen der Eltern verteilt, um am Ende der Verbreitungskette im Altersheim für sinkende staatliche Rentenzahlungen zu sorgen. Wie gut das funktioniert, konnten wir letztes Jahr erleben. Als ein Norovirus innerhalb eines gefühlten Augenblicks erst die halbe Kita und danach meine halbe Abteilung in der Firma ausser Gefecht setzte. Der ein oder andere Kollege berichtet heute noch voller Angst und Bewunderung von der Durchschlagkraft dieses Noroerregers, der alle körperlichen Hürden nehmend sich seinen Weg bahnte. Wie ich hörte ist dieser Virenstamm heute noch in der Wallachei aktiv.

Dieses Jahr haben sie anscheinend erst eine Testreihe zur Reife gebracht. Es ist ein mittlerer Erkältungsvirus, der nur leicht halluzinogen wirkt, wenn man denn lang genug fiebert. Mein Arzt zuckte diese Woche nach der Untersuchung nur mit den Schultern und behauptete, dass er rein gar nichts für mich tun könnte. Vermutlich ist der Anreiz zu helfen für ihn auch einfach sehr gering, da er weiß, dass er sich und seinen Kollegen sonst die kommenden Patientenströme versiegen lässt…

Ich habe mir jedoch sicherheitshalber weder vor den Kindern, noch vor meinem Arzt anmerken lassen, dass ich das Spiel durchschaut habe. Vielmehr werde ich demnächst an die Bild Zeitung schreiben. Die mögen hier investigativ mal rumjournalieren. Und das nächste mal, wenn mein Sohn mir seinen Finger in die Nase stecken will, bin ich vorbereitet! Neben einem Arsenal an Globuli, mit denen ich ihn dann bewerfen kann, habe ich mir einen geheimen Bunker mit Tamifluvorräten im Keller bereitgestellt. Das Versteck ist todsicher. Denn in den Kellerraum mit der Wäsche geht sonst keiner! Die nicht eingeräumten Anziehsachen der letzten drei Waschladungen sind mein Zeuge.

Warum ist das eigentlich kein Herbstprojekt? Wäsche? Wie bitte? Ich rieche komisch? Oh… das Fieber kommt zurück… ich muss schnell mal in den Keller…

Helena

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11 Kommentare zu “Herbstprojekte

  1. Gute Besserung!
    und ja, was die lieben Kleinen da im Kindergarten lernen, setzten sie in der Grundschule in Perfektion um: da gehst du als argloses pädagogisches Personal in die Schule um deinen altruistischen Idealen zu frönen (und schnöde Kohle zu scheffeln) und -schwupps- haste Halsschmerzen/dicke Erkältung/Lungenentzündung. Tss, das wird leider selten bedacht bei der Berufswahl.

    Liebe Grüße, Alma

    • Ohweh,

      dann Dir auch gute Besserung.

      Mir hat ein Pneumologe mal gesagt, dass jeder Infekt eine Einzahlung auf das Konto des Immunsystems ist. Mittlerweile spekuliere ich bei den hohen Zahlungsströmen, dass wir mit diesem Konto in fünf Jahren unser Haus locker abzahlen können.

      Helena,
      fern jeglichen Altruismus (nachdem sie den eigenen Nutzen dafür zweimal nachgerechnet hat…)

      • danke dir! ich bin aber nicht wirklich krank, nur ein bisserl leidend… die ganzen fiesen Krankheiten waren eher als Beispiele gemeint.
        ich drück dich!

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