Geschäftsessen

Es war einer dieser Tage, an denen meine Tochter einen Zahnarzttermin hatte. So einen wo gebohrt wird, was aber unsere Kinderzahnärztin nicht sagt. Sie sagt, dass der Zahn nur gebürstet wird. Überhaupt hat sich das mit den Zahnärzten ganz schön verändert seit meiner Kindheit. Da gibt es auch keine Spritzen mehr, sondern „Schlafkissen“, die ein bisschen pieksen können. Meine innere, hochgezogene Augenbraue -aufgrund dieses Lügenvokabulars- musste ich beeindruckt wieder sinken lassen. Denn mein Kind hat all das geglaubt.

Weil nun aber Zahnarztbesuche trotz bürsten nicht zu den Höhepunkten im Leben meiner Tochter zählen, hatte ich mir etwas einfallen lassen aus der Erziehungstrilogie „Bestechen, Bedrohen, Belügen“.

Meine Tochter findet es nämlich sehr interessant, bei mir im Büro zu sein und meine Kollegen zu sehen. Und so haben wir uns an dem Zahnarzttag mittags mit meinen Kollegen zum Essen verabredet. Wir waren sechs Kollegen, darunter mein aktueller und mein künftiger Chef und sind allesamt in ein nahegelegenes bayrisches Lokal zum Essen gegangen. Meine Kollegen sind sehr nett, haben sich angeregt mit meiner Tochter unterhalten und es gab Schnitzel mit Pommes. Alles wunderbar.

Wunderbar bis zu dem Moment, wo die Gesprächsthemen abglitten in eine Richtung, die mir Sorge bereitete. Denn über „Fleisch essen“ zu „vegetarischem Essen“ und dann zu „veganem Essen“, kamen wir thematisch dann bei „absurdem Essen“ an und seltsamen Gepflogenheiten anderer Kulturen. Das war dann ein Thema, bei dem mein Kind hervorragend mitreden konnte. „Mein Papa hat schonmal Pipi getrunken“ sagte sie voller Stolz in die kurze Stille der Runde. Und ich muss zugeben, dass sie damit so ziemlich die absurdeste Nahrungsaufnahme für sich verbuchen konnte.

Ich weiß nicht mehr genau wie wir aus dem Lokal raus gekommen sind. Bruchstückhaft erinnere ich mich noch, dass ich erklärte, dass mein Mann ja einen naturwissenschaftlichen Hintergrund hat und wissen wollte wie Eigenurintherapie denn schmecke. Und sowohl warmer Mittelstrahl, als auch gekühlt aus dem Kühlschrank waren kein Geschmackserlebnis. Bei uns daheim trinkt wirklich niemand Urin. Wirklich! Niemand!

Aber ich war immerhin auch erleichtert, dass sie mit sechs Jahren keine genitalen Themen mehr zum Besten gab. Denn vier Jahre zuvor hatte sie noch einer Freundin von mir beim gemeinsamen Frühstück stolz mit ausgebreiteten Armen gezeigt, dass ihr Vater wirklich sehr gut bestückt sei.

Zu Kundenterminen sollte ich das Kind auf jeden Fall die nächsten 20 Jahre nicht mitnehmen. Wer weiß was in der Pubertät dann für Themen von ihr aufgetischt werden…

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14 Kommentare zu “Geschäftsessen

  1. Oi. Herausforderung. Ich rede so ziemlich am laufenden Band in Echtzeit, quasi von der Gedankenwelt gleich ungefiltert raus aus dem Mund. Seit das Kind da ist, hört wenigstens jemand zu. Hm. Wird sich ändern müssen.

  2. Aaaah, ich musste so lachen – die Gesichter der Kollegen (oder besser noch, die der Frühstücksfreundin) hätte ich nur ZU gerne gesehen. Lach. Kinder. So genial.

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

  3. Pingback: Die Wahrheitskugel | WerdenundSein

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