Wie wahr hätten Sie es denn gerne, Frau Helena?

Die Welt ist leider bunt. Was sehr traurig ist. Denn in schwarz-weiß schaut sie sehr viel schöner aus. Vor allem wenn man sie mit harten Kontrasten belichtet, die Welt. Dann verschwimmen die Graustufen und es bleibt nur noch ein schwarz und ein weiß übrig. Das sieht auf Bildern furchtbar schick aus. Und tiefgründig zugleich. Aber so ist sie nicht, die Welt.

Und so schwarz und weiß, gut und böse ist auch das Leben nicht. Zwischendrin  -in den Graustufen- liegt sie, die Wahrheit. Sie ist ein „sowohl als auch“, ein wenig dies und das. Flüchtig ist sie, verändert sich je nach Brille, die man aufsetzt und manchmal scheint sie einem durch die Finger zu rinnen, bevor man sie recht greifen kann. So klar die Einteilung zwischen wahr und unwahr in meiner Jugend war, so verschwommen wurde sie, je mehr ich lernte und wusste und erlebte.

Nun hat die Bloggerin Tina eine Wahrheitskugel in das Internet geworfen. Ausgerechnet dort. In einen Raum, in dem man 20kg Bauchfett in drei Wochen verlieren können soll. Wo man sich im Wald der subjektiven Wahrheiten verlieren kann, in Diskussionen und Deutungen darum, was wahr ist oder was richtig ist. Richtig ist dabei quasi der siamesische Zwilling von Wahr.

Wo würde ich gerne die Wahrheit wissen? Die reine Wahrheit? Nichts als die Wahrheit! Tagelang grübelte ich darüber nach. Während meiner Pendelfahrten zwischen Kita, Schule und Arbeit hing ich meinen Gedanken nach. Fragte mich wo ich überall Unwahrheiten von mir gebe, wo mir vermutlich Unwahrheiten begegnen, wo sie mich stören, wo sie mich verfolgen und kam dort an, wo mir klar war, dass ich mit den Unwahrheiten in dieser Welt im Reinen bin. Sie sind mir lieb geworden, so wie mir mein „sehr gerne“ auf ein „Danke“ lieb geworden ist. Ich bin gerne nett, wenn es für mich geht. Nett sein kollidiert jedoch mit der Wahrheit an jeder Ecke.

Bevor ich die Kugel aber ungenutzt weiterziehen lasse möchte ich einen Blick hineinwerfen. Ich will sie fragen wie das wirklich war in dem Krieg in Jugoslawien. Will die wahren Gründe wissen, weshalb Menschen von Freunden zu Feinden werden können. Wie aus Nachbarn Mörder und Ermordete werden konnten. Wieso Menschen sich Massaker antun? Was geschehen muss, damit aus einem kleinen Kind eines Tages ein Despot werden kann. Doch ich befürchte, dass mir die Kugel dabei zwischen den Händen zerplatzen wird. Denn manchmal, manchmal ist die Wahrheit viel schlimmer als die größten Lügen…

Verloren in diesen Wahrheitsfindungen fragte ich heute meine Tochter was sie denn wissen wollen würde, wenn sie über etwas die Wahrheit erfahren könnte. Es herrschte kurz Stille, bevor sie sagte „Ob es den Nikolaus wirklich gibt“.

Vielleicht bin ich ja dann doch dank dieser Blogparade bald um eine Lüge ärmer…

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13 Kommentare zu “Wie wahr hätten Sie es denn gerne, Frau Helena?

  1. Wow, da hast du dir wirklich Gedanken gemacht und es rührt mich sehr, dass du meinem Aufruf gefolgt bist. Besonders gut gefällt mir der Satz: Richtig ist dabei quasi der siamesische Zwilling von Wahr. Ja, das ist auch ein Aspekt, den viele angesprochen haben: will ich wirklich alles wissen, bzw. will ich auf Unwahrheit verzichten? Lassen ich mich ggf. sogar gerne mit kleinen Unwahrheiten – nennen wir es Annehmlichkeiten – durch den Tag führen? Aber das sind nur Kleinigkeiten verglichen mit Hintergrundfragen zum Krieg. Ich bin sehr gespannt, was noch alles folgt, hoffe ich doch, dass es das noch tut. Dir schon mal ein fettes Danke. Für alles! LG, Tina

  2. Liebe Helena,

    ich wage mal den Verdacht, dass deine Tochter nicht wirklich (sic!) wissen will, ob es den Nikolaus wirklich gibt. Denn als ich meiner grossen Tochter diese Frage (es ging um den Weihnachtsmann) im Alter von 6 wahrheitsgemäss beantwortete, weinte sie. Und wünschte, sie hätte mich das nicht gefragt. Seitdem beantworte ich diese Art von Frage, wenn sie von meinen Kindern kommt, immer mit der Gegenfrage, ob sie sicher seien, das wissen zu wollen, ganz sicher. Bisher hat dann jedes der beiden weiteren Kinder gesagt „Ach nee, lieber doch nicht“, und sich so ein Jahr Aufschub verschafft. 🙂

    Was mich zurück zu meinem Kommentar unter Tinas Blogpost mit der Wahrheitskugel führt. 🙂

    Viele Grüsse, Christine

  3. Pingback: Die Wahrheitskugel | WerdenundSein

  4. Na wenn das die einzige Wahrheitsfrage der Tochter war, bist du ja gut aus dem Schneider. Natürlich gibt es ihn. Nur hat ihn bisher noch nie irgendjemand höchstpersönlich zu Gesicht bekommen. Wie die Zahnfee, zum Beispiel. Oder George Clooney.

  5. Pingback: Wahrheit – was ist wahr? | familienallerlei's Blog

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