Ich will kein Vater sein

Eine der undankbarsten Rollen heutzutage ist es, ein Vater sein zu wollen. Und zwar so einer, der auch mal da ist. Der ebenso sich wünscht Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen und nicht nur am Wochenende sich entnervt hinter der Zeitung zu verstecken.

Und ganz ehrlich: wäre ich ein Mann, ich weiß nicht ob ich den Kampf gegen die Mühlen aufnehmen würde. Denn trotz immer wieder disktutierter Themen wie Work-Life-Balance, Vätermonate in der Elternzeit, Teilzeit für Männer usw. ist das Echo medial peinlich, wenn sich ein Mann tatsächlich öffentlich zu seinem Wunsch auch für die Familie da zu sein bekennt. Ob es dabei das Negieren von gemachten Erfahrungen in Elternzeit ist, dasLustigmachen darüber, dass Väter ja eh nur zwei Monate in Elternzeit gehen, das Absprechen von jeglicher Mitsprache als Vater, weil ja die heroische Mutter den ganzen Dreck mache ohne zu murren (glatt gelogen, ich lade gerne mal zu Frauenrunden ein… auch wir jammern!) usw. und so fort.

Der neue Höhepunkt für mich ist hierbei nun der medial diskutierte Fall von Herrn Asmussen, der einen Arbeitgeberwechsel vollzog um nicht mehr zwischen Arbeit in Frankfurt und Familie in Berlin zu pendeln. So lautete seine Aussage, ganz grob.

So weit für mich nachvollziehbar. Wenn man seine Frau und Kinder nur am Wochenende sieht, dann wäre das auch für mich deutlich zu wenig Familie und zu viel Arbeit. -Und nur fürs Protokoll, auch ich arbeite Vollzeit.-

Dass das anscheinend aber so nicht stehen gelassen werden kann, finde ich doch ein trauriges Signal an die Männer. In meiner Lieblingszeitung F.A.S. gab es dazu ein Pro Und Kontra am vergangenen Sonntag. Und eben dieses Kontra hat mich unsagbar wütend gemacht.

Der stellvertretende Ressortleiter Wirtschaft, Georg Meck, schrieb diese Kontraposition. Und entgegen meiner Erwartungshaltung hat er nicht ein sachliches Argument nennen können, weswegen Herr Asmussen nicht eben seine Familie als Grund hernehmen kann.

Vielmehr versteigt sich Herr Meck darin, dass Herr Asmussen somit nicht mehr in der Lage sein wird in beruflich angespannten Situationen auch mal länger im Büro zu sein („Der Wähler darf vollen Einsatz erwarten. Eine Regierung hat das Land zu führen, auch wenn dafür eine Turnstunde mit den Kindern ausfällt.“), sondern unterstellt in herabwürdigender Art und Weise, dass der Vater dann ja die Kinder zur Turnstunde bringt. Er unterstellt ebenso, dass Herr Asmussen zu blöd ist zu wissen, dass ein Amt eines Staatssekretärs ebenso zeitaufwendig sei („Wenn Asmussen nun insinuiert, Regieren sei ein vergleichsweise lauer Job, ist das dreist: Der Mann verhöhnt demokratisch bestimmte Institutionen.“) und vergisst dabei die Tatsache, dass Herr Asmussen ebenso bei der EZB zuvor keine 30 Stunden Woche gehabt haben wird. Aber eben nun mit dem Unterschied, dass er nachts daheim schläft und auch mal unter der Woche die Chance hat seine Kinder zu sehen morgens oder abends. Oder, Gott bewahre, vielleicht sogar mal beides?

Unter uns Gebetsschwestern, Herr Meck, man kann wenn die Kinder im Bett sind auch noch am Rechner und sogar am Telefon arbeiten. Klappt super! Und befriedigt die Kollegen, die so heiß darauf sind das Spiel „wer schickt die letzte Email“ zu spielen nachhaltig.

Auch über die Frau von Herr Asmussen wird abwertend erwähnt, dass diese Karriere mache. Und dazu wird unterstellt, dass deren Karriere auch den Wunsch des neuen Lebensmittelpunktes Berlin beeinflusse. („Berlin ist ihm deshalb so wichtig, weil seine Frau, ehemals Lobbyistin der Deutschen Börse, heute das Hauptstadtbüro der PR-Agentur Hering Schuppener leitet; überaus zielstrebig, wie zu hören ist.“)

Herr Meck, und es gibt viele Mecks da draußen, weiß es also viel besser was unseren künftigen Staatssekretär antreibt. Er ist ein Opfer für die Karriere seiner Frau, wird uns Bürgern nicht zur Verfügung stehen bei kollabierenden Rentenkassen, weil er sich als „Familientier“ (noch so ein schön abwertendes Wort des Herrn Meck im Kommentar) um Frischkäseschnitten und Turnstunden kümmert.

Was würde ich als Mann für Schlüsse daraus ziehen? Aus Herrn Meck? Aus den Reaktionen? Aus dem Alltag anderer Väter in der Arbeit.

Würde ich mich stark machen? Würde ich glauben, dass auch ein Mann beides haben kann? Würde ich mich männlich fühlen bei solchen Reaktionen? Ernst genommen? Wertgeschätzt?

 

Wohl kaum.

 

Es ist noch ein langer Weg.

 

Und ich hoffe für meinen Sohn, dass in 30 Jahren es nur noch wenige Mecks da draußen gibt!

 

 

 

Endlichkeit

Wir waren von Anfang an Verbündete, Komplizen und haben gemeinsam gegen meine Mutter opponiert. Oder wie ich mal sagte „deine Frau“, als ich -noch im Kindergarten- mich auf Deiner Arbeit über sie beschwerte. Gar nicht mal, weil sie über alle Maße so schlimm gewesen wäre. Aber wir waren eine Einheit. Mein Platz war auf Deinem Schoß, meine kleinen Finger in Deine Adern auf dem Handrücken drückend und immer wieder staunen darüber, wie sie sich gleich wieder füllten wenn mein Fingerdruck verschwand. Ich war Deine Katze, wo in unserer Familie die Frauen doch sonst alle Ziegen waren, und es gab nicht viel, was Du mir nicht erlaubt, geglaubt oder ermöglicht hättest. 

Dein Geruch ist für mich mit Heimat verbunden. So holzig und warm. Wie Deine Füße immer warm waren und ich Dir meine kalten Kinderfüße unter die Decke geschoben habe um mich zu wärmen. Wenn Mama Nachtschichten hatte, habe ich lange noch neben Dir im Bett gelegen. Und wir hatten dieses Spiel, dass wir uns an den Händen hielten beim Einschlafen und Du mir am Morgen versichert hast, dass wir so die ganze Nacht gelegen hätten. Manchmal kann ich Deinen Geruch in meinen Kleidungsstücken wiederfinden. Wir sind aus dem gleichen Holz, denke ich dann.

Wir haben keine langen Gespräche geführt. Du bist einfach kein Mann der großen Worte. Und es reicht ein Blick von Dir, mit diesem schalkhaften Blitzen, um zu wissen was Du denkst.

Meinen ersten Kaffee hatte ich von Dir. Und so wie Du mir das Kaffee kochen beigebracht hast, so bringe ich es nun meinen Kindern bei. Ein Teil meiner Geduld als Mutter habe ich von Dir. Ebenso den Glauben, dass ich dazu fähig bin Dinge zu erreichen, die ich mir vornehme, hast Du mitgeprägt. Es gab nichts, was Du mir nicht zugetraut hättest, weil ich ein Mädchen bin. Und als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, voller Zweifel über den Zeitpunkt, warst Du nur ein immerwährendes Strahlen, denn es sei an der Zeit gewesen, sagtest Du.

Diese Liebe zwischen uns, dieses Band, es ist immer noch da. Auch jetzt, wo Du alt geworden bist. Wo es Dir nicht gut geht und ich jeden Winter mich fürchte, dass Dich ein Infekt erwischt und Deinen Körper bezwingen könnte. Die Worte von Dir sind noch weniger geworden. Meist sitzt Du da und schaust auf das, was Du erreicht hast. Und ich spüre Zufriedenheit und Stolz in Deinem Blick. Und es tut mir weh, wenn ich sehe, wie die Zeit Dich mir langsam wegnehmen will.

Wir sind immer noch Verbündete. Aus dem gleichen Holz. Und ich weiß nicht wieviele Winter noch vor uns liegen. Bei jedem Besuch pflastere ich die Straßen mit Tränen, wenn ich wieder heimfahre. Jeder Abschied ein wenig für immer. Unsicher in welchem Zustand wir uns wiedersehen werden.

Doch eines muss ich Dir sagen. Immer wieder. Egal wie sehr Du es bereits weißt.

Auch ich bin unendlich stolz auf Dich Papa! Und Du bist für mich immer noch die Liebe meines Lebens. Selbst jetzt, wo Du Dir diesen Platz teilst.

Ich hoffe auf viele Winter.