Ein Geier mehr

Ich weiß noch, als ich ihn zum ersten Mal am Himmel erblickte. Er war nur aus der Ferne zu sehen und ich hatte ihn, kurzsichtig wie ich war, zuerst für einen Singvogel gehalten. Aber er kreuzte meinen Blick immer häufiger und ich merkte mit der Zeit, dass er mir zu folgen schien.

Zuerst hielt ich das noch für ein Versehen, oder für einen Zufall. Ich fragte meine Begleitung, ob das sein Vogel sei und er sagte mir, dass er früher einst einen Vogel im Herzen trug, aber dieser lange gestorben sei und sicherlich nichts mit dem Geier dort oben zu tun hätte. Denn sein Vogel sei eine hübsche Bekassine gewesen.

Der Geier über mir blieb.

In den kommenden Wochen versuchte ich den Geier zu locken. Ich wollte wissen, was er von mir wolle. Ich wollte ihn fragen, ob er mein Ende sehe. Er schrie mich an, so leiseleise schrie er, und sagte, dass all ein Lieben sterben werde. Und so würde auch ich eines Tages ein Geier sein.

Danach stimmte er ein Klagelied an und wir weinten, jeder für sich.