Das Universum hört Dich nicht

Jedes Jahr zu meinem Geburtstag habe ich mich auf den Moment gefreut, wenn ich auf meiner Geburtstagstorte die Kerzen auspusten durfte. Ein magischer Moment, in dem man sich ganz feste etwas wünschen darf und es keinem verraten darf und dann geht er in Erfüllung.

Die Zeit zwischen den Geburtstagen haben mich weggepustete Wimpern und Sternschnuppen mit fest zugekniffenen Augen Dinge wünschen lassen, die ich -natürlich- niemandem verraten habe. Denn sonst geht es ja nicht in Erfüllung, wie man weiß.

Meine strengkatholische Tante Paula hat sich sogar stundenlang täglich etwas gewünscht. Beim lieben Gott. Sie hatte offenbar sehr lange Wunschlisten, denn vor jeder Mahlzeit und abends verharrte sie gefühlte Ewigkeiten im Gebet und rasselte ihre ganze Liste im Geiste dem lieben Gott runter.

Als ich dann bereits erwachsen war, fingen Freunde von mir auf Facebook an Wünsche ans Universum zu schicken. Und sich gegenseitig zu sagen, dass sie ihren Wunsch nur laut genug an eben dieses Universum senden müssen, damit es einen höre. Ob man den dann auch für sich behalten musste, weiß ich nicht. Aber ich weiß sehr wohl inzwischen, dass diese ganzen Wunschrituale für die Katz sind. Denn, wenn Du niemandem erzählst, was Du Dir wünschst, wird es außer Dir und der Wimper, der Sternschnuppe und dem lieben Gott oder Universum niemand wissen. Selbst nicht die, die Dir vielleicht bei dem Wunsch helfen könnten und wollten.

Also habe ich Schluß gemacht. Mit den Wimpern. Mit den Sternschnuppen. Mit den Geburtstagskerzen und mit allen Religionen und Ersatzreligionen. Ich habe meiner Tochter von klein auf gesagt, dass sie bloß nicht ihre Wünsche für sich behalten solle. Stattdessen solle sie jedem, dem sie mag, von ihren Plänen und Wünschen erzählen. Denn das Universum interessiert sich nicht für uns. Aber unsere Freunde und Familien tun das. Und so müssen wir vielleicht uns bald nicht mehr heimlich Dinge wünschen, sondern können gemeinsam an den Wünschen und Träumen arbeiten.

Das funktioniert hervorragend. Naja. Fast. Bezüglich dem Lottojackpot suche ich selbst noch nach dem richtigen Wunschweg.

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7 Kommentare zu “Das Universum hört Dich nicht

  1. Ja, Du hast bestimmt recht. Sag was Du brauchst, niemand kann helfen wenn er nicht weiß was nötig ist.
    Jedoch gibt es auch einen, der Deine Wünsche und Träume, Deine Erwartungen und Probleme kennt. Ganz einfach Gott. Und er wacht auch dann über Dich, wenn Deine Wünsche Dir letztendlich Kummer bereiten weil sie erfüllt werden und reicht Dir dann die Hand und sagt, „wenn Du mir vertraust, dann wird es gut!“

    • Wenn man monotheistisch gläubig ist, mag das für einen so sein. Allerdings kann ich jedem nur empfehlen mehr über die eigenen Wünsche zu sprechen. Mit realen Personen. Unabhängig von der Religion. Ich selber bin nicht gläubig.

  2. Wenn man so selbstsicher ist, dass man „sein Ding“ macht, egal, was andere davon halten mögen, gebe ich dir recht. Und bei Plänen, die die Hilfe anderer erfordern, erst recht.
    Als Kind wurde mir das mit den Sternschnuppen so begründet: „Verrate deine Herzenswünsche nicht, damit sie nicht zerredet werden.“ Hinterher machte ich daraus „Überlege dir genau, wem du deine Wünsche und Pläner verrätst“. Und da fahre ich immer noch am besten mit.
    Für Menschen, die sich leicht von den Einwänden, Zweifeln und der Skepsis anderer verunsichern lassen, halte ich die Vorgehensweise, seine Wünsche und Pläne nicht nach außen zu tragen, nach wie vor für die beste.

  3. Eine sehr weise Einstellung, die ich nur unterstützen kann, denn wenn man seine Wünsche immer nur in seinen Gedanken trägt, schaffen sie es niemals in die reale Welt. Liebe Grüße, Kerstin

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