Frauen über 30?

Wann mich das Thema Alter und Frauen zum ersten Mal genervt hat, kann ich schon nicht mehr sagen. Ob es die Mutter einer Freundin war, die ihr Alter immer wieder thematisierte, indem sie anscheinend nicht gerne darauf angesprochen wurde. Ob es die Frauen waren, die ewig 29 sein wollten. Ob es die Männer waren, die Scherze darüber machten, was Frauen jenseits der 30 alles nicht mehr seien.

Verstanden habe ich all das nicht. Dass bei einer Lebenserwartung jenseits der 70 mit 30 quasi alles für Frauen vorbei ist, wo Männer nur noch interessanter werden, ist von beiden Seiten betrachtet Blödsinn. Und eigentlich ist es auch alles nicht der Rede Wert. Könnte man meinen. Denn wie ein @nacktmagazin nach dem Start von #FrauenUEber30 auf Twitter schrieb: „Ohne Twitter hätte ich ja nie für möglich gehalten, dass auch Frauen über 30 hübsch sein können.“

Und doch, war ich am Freitagabend so genervt von diesem Altersding, von all diesen Sprüchen, dass Frauen über 30 zumindest noch Charakter hätten. Davon, dass man über 30 jenes sei, nicht sei, dass ich einen Tweet losschickte, der lautete:

 

„Hätte Lust ne Selfieserie mit Frauen über 30 zu starten. Wer ist dabei?“

 

Und kurz danach tweetete ich ein Selfie von mir, müde auf dem Hotelbett morgens in Paris mit dem Hashtag #FrauenUeber30.

Ich hatte weder ein Pamphlet, noch eine große Botschaft, sondern nur die Idee, dass sich vielleicht ein paar Frauen anschließen und ebenso ihr Gesicht tweeten mit dem Hashtag verziert. Wie ein kurzes: Himmel, ja! Ich bin auch über 30!

 

Mittlerweile sind deutlich mehr Frauen dem Aufruf gefolgt, als ich gedacht hätte. Und es gab mehr Tweets zu dem Thema, als ich erwartet hätte. Es sollte nicht diskussionswürdig sein. Da gebe ich @nacktmagazin vollkommen recht. Aber dass es das ist zeigt mir, wie die Reaktion darauf ausfiel. Wie oft die einzelnen Selfies gefaved wurden auf Twitter, dass die ersten Scherze darüber entbrannten und die ersten Männer nun das Gleiche tun und ihre Selfies mit #MaennerUeber30 tweeten. 

Wenn es ohne Belang wäre, als Frau älter zu werden, wäre meine Idee ein Rohrkrepierer geworden. So ist es eine hübsche, kleine Ansammlung an Frauen, die nicht immer 29 sein müssen. Und ich freue mich sehr darüber. Es ist keine Revolution, die Intention der einzelnen Beteiligten ist mir völlig unbekannt. Aber ich freue mich, dass so viele mitgemacht haben. Offensichtlich gibt es doch einige da draußen, die den Sprung über die ewige 29 geschafft und überlebt haben. Das macht mir Hoffnung.

Helena,noch 35 Jahre alt

 

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