Hut ab, Herr Gabriel!

So so, Herr Gabriel holt also einmal in der Woche sein Kind vom Kindergarten ab und alle jubeln ihm zu. Ein Hoch auf Herrn Gabriel, vollbringt er unglaubliche Leistungen, man möge ihm einen Orden anhängen. Natürlich ist das alles nur eine große PR-Kampagne und sowieso, was ist mit all den Frauen, die das tagtäglich tun, nach denen schreit kein Hahn. Eine Frau, die tagtäglich diese Leistung erbringt, wird als Hausfrau und Mutter sowieso nur abschätzig betrachtet. Und dann kommt da so ein Vizekanzler daher und verbringt einen halben Tag in der Woche mit seinem Kind und die Welt steht vor Begeisterung Kopf.

Aber Moment, da war doch was?! Ach ja richtig, das war genau das, was wir Frauen wollten. Wir wollten einen Partner, der Verantwortung für die Kinder übernimmt, der nicht nur der Präsenzkultur frönt, der auch im Beruf mal mit der Faust auf den Tisch haut und „Ja“ sagt zu seiner Familie und seinen damit einhergehenden Verpflichtungen.

Was muss es einen Vizekanzler wohl gekostet haben, sich einen Nachmittag in der Woche frei zu kämpfen. Das ist ihm gewiss nicht zugeflogen. Viele Väter haben die Erfahrung gemacht, wie schwer es ist, beruflich für seine Kinder kürzer zu treten. Es soll Väter geben, denen mit einem Karriere-Aus gedroht wurde, sollten sie nur daran denken, Elternzeit zu beantragen. Väter müssen viel mehr kämpfen, um die gleichen Rechte zu bekommen, wie wir Frauen. Umgekehrt kämpfen wir Mütter natürlich auch. Und da zeigt es sich wieder: wir sitzen alle im selben Boot. Es bringt nichts, auszuloten, wer mehr leistet. Das hat ein wenig was von den typischen Elternstreitigkeiten, keiner fühlt sich wertgeschätzt, jeder rechtfertigt sich nur noch, macht dem Anderen Vorwürfe und zusammen zieht man nicht mehr am selben Strang. Das führt unweigerlich zu der Frage, wer da wen geringschätzt. Wenn wir einen Kind-Nachmittag nicht als Leistung anerkennen, dann erkennen wir gleichzeitig unsere eigene Arbeit ebenso nicht an. Ich habe mal gelesen, Frauen brezeln sich nicht für Männer auf, sondern für die anderen Frauen. Ich glaube da ist was dran und ich glaube, ein ganz kleines bisschen kann man das auch auf die Geringschätzung der Familienarbeit ummünzen.

Ich verstehe die Reaktion vieler Frauen. Der Jubel der Medien gleicht mancher wohl einer Ohrfeige, erbringt sie selbst täglich diese Leistung und hat nicht das Gefühl, dass sie nach Außen hin einen Wert hätte. Aber rein gesellschaftlich glaube ich, dass dieser Schritt ein großer ist. Und statt diesen klein zu reden, sollten wir diesen Artikel nehmen, ihn unseren Männern/ Bekannten/ Vätern hinlegen und sagen: Ich finde es mutig und nachahmenswert, was der sich traut! Und was lösen wir durch die sarkastische Reaktion aus? Gewiss nicht, dass unsere Männer motiviert sind, einen ersten Schritt in Richtung mehr Familie zu wagen. Wird dieser ja doch nicht wertgeschätzt.

Das ist so ein wichtiges Zeichen, das Herr Gabriel da setzt. Und ja mei, vielleicht ist es auch dazu noch PR, aber auch wir können diese für unsere eigenen Zwecke nutzen – Mütter, wie Väter. Wenn es schon „normal“ ist, dass ein Vizekanzler Familienzeit hat, dann könnte das doch für den Rest von Deutschland bald auch üblicher werden, sowohl für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sowohl für die unten als auch die oben in den Hierarchien.

Also, Hut ab Herr Gabriel. Und Danke!

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Dies ist ein Gemeinschaftsbeitrag von Tina von VOMWERDENZUMSEIN und mir. Wir telefonieren und schreiben uns regelmäßig und tauschen uns intensiv über Vereinbarkeit aus. Wir glauben daran, dass Änderungen im Kleinen möglich sind und beginnen und dass alles mit einem ersten Schritt anfangen muss. Manchmal sind erste Schritte auf den ersten Blick so klein, dass sie nicht der Erwähnung Wert scheinen. Aber jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Und wir glauben, dass er genauso viel Anerkennung verdient wie der Letzte. Für Männer, für Frauen, für Euch und für uns!

Ich will kein Vater sein

Eine der undankbarsten Rollen heutzutage ist es, ein Vater sein zu wollen. Und zwar so einer, der auch mal da ist. Der ebenso sich wünscht Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen und nicht nur am Wochenende sich entnervt hinter der Zeitung zu verstecken.

Und ganz ehrlich: wäre ich ein Mann, ich weiß nicht ob ich den Kampf gegen die Mühlen aufnehmen würde. Denn trotz immer wieder disktutierter Themen wie Work-Life-Balance, Vätermonate in der Elternzeit, Teilzeit für Männer usw. ist das Echo medial peinlich, wenn sich ein Mann tatsächlich öffentlich zu seinem Wunsch auch für die Familie da zu sein bekennt. Ob es dabei das Negieren von gemachten Erfahrungen in Elternzeit ist, dasLustigmachen darüber, dass Väter ja eh nur zwei Monate in Elternzeit gehen, das Absprechen von jeglicher Mitsprache als Vater, weil ja die heroische Mutter den ganzen Dreck mache ohne zu murren (glatt gelogen, ich lade gerne mal zu Frauenrunden ein… auch wir jammern!) usw. und so fort.

Der neue Höhepunkt für mich ist hierbei nun der medial diskutierte Fall von Herrn Asmussen, der einen Arbeitgeberwechsel vollzog um nicht mehr zwischen Arbeit in Frankfurt und Familie in Berlin zu pendeln. So lautete seine Aussage, ganz grob.

So weit für mich nachvollziehbar. Wenn man seine Frau und Kinder nur am Wochenende sieht, dann wäre das auch für mich deutlich zu wenig Familie und zu viel Arbeit. -Und nur fürs Protokoll, auch ich arbeite Vollzeit.-

Dass das anscheinend aber so nicht stehen gelassen werden kann, finde ich doch ein trauriges Signal an die Männer. In meiner Lieblingszeitung F.A.S. gab es dazu ein Pro Und Kontra am vergangenen Sonntag. Und eben dieses Kontra hat mich unsagbar wütend gemacht.

Der stellvertretende Ressortleiter Wirtschaft, Georg Meck, schrieb diese Kontraposition. Und entgegen meiner Erwartungshaltung hat er nicht ein sachliches Argument nennen können, weswegen Herr Asmussen nicht eben seine Familie als Grund hernehmen kann.

Vielmehr versteigt sich Herr Meck darin, dass Herr Asmussen somit nicht mehr in der Lage sein wird in beruflich angespannten Situationen auch mal länger im Büro zu sein („Der Wähler darf vollen Einsatz erwarten. Eine Regierung hat das Land zu führen, auch wenn dafür eine Turnstunde mit den Kindern ausfällt.“), sondern unterstellt in herabwürdigender Art und Weise, dass der Vater dann ja die Kinder zur Turnstunde bringt. Er unterstellt ebenso, dass Herr Asmussen zu blöd ist zu wissen, dass ein Amt eines Staatssekretärs ebenso zeitaufwendig sei („Wenn Asmussen nun insinuiert, Regieren sei ein vergleichsweise lauer Job, ist das dreist: Der Mann verhöhnt demokratisch bestimmte Institutionen.“) und vergisst dabei die Tatsache, dass Herr Asmussen ebenso bei der EZB zuvor keine 30 Stunden Woche gehabt haben wird. Aber eben nun mit dem Unterschied, dass er nachts daheim schläft und auch mal unter der Woche die Chance hat seine Kinder zu sehen morgens oder abends. Oder, Gott bewahre, vielleicht sogar mal beides?

Unter uns Gebetsschwestern, Herr Meck, man kann wenn die Kinder im Bett sind auch noch am Rechner und sogar am Telefon arbeiten. Klappt super! Und befriedigt die Kollegen, die so heiß darauf sind das Spiel „wer schickt die letzte Email“ zu spielen nachhaltig.

Auch über die Frau von Herr Asmussen wird abwertend erwähnt, dass diese Karriere mache. Und dazu wird unterstellt, dass deren Karriere auch den Wunsch des neuen Lebensmittelpunktes Berlin beeinflusse. („Berlin ist ihm deshalb so wichtig, weil seine Frau, ehemals Lobbyistin der Deutschen Börse, heute das Hauptstadtbüro der PR-Agentur Hering Schuppener leitet; überaus zielstrebig, wie zu hören ist.“)

Herr Meck, und es gibt viele Mecks da draußen, weiß es also viel besser was unseren künftigen Staatssekretär antreibt. Er ist ein Opfer für die Karriere seiner Frau, wird uns Bürgern nicht zur Verfügung stehen bei kollabierenden Rentenkassen, weil er sich als „Familientier“ (noch so ein schön abwertendes Wort des Herrn Meck im Kommentar) um Frischkäseschnitten und Turnstunden kümmert.

Was würde ich als Mann für Schlüsse daraus ziehen? Aus Herrn Meck? Aus den Reaktionen? Aus dem Alltag anderer Väter in der Arbeit.

Würde ich mich stark machen? Würde ich glauben, dass auch ein Mann beides haben kann? Würde ich mich männlich fühlen bei solchen Reaktionen? Ernst genommen? Wertgeschätzt?

 

Wohl kaum.

 

Es ist noch ein langer Weg.

 

Und ich hoffe für meinen Sohn, dass in 30 Jahren es nur noch wenige Mecks da draußen gibt!